Volksbank Butzbach legt Bilanz 2016 vor

Bilanzsumme wächst um 11 Prozent / Kundenvolumen steigt auf 660 Millionen Euro

BUTZBACH (PA). „Das Jahr 2016 war das Jahr des Nullzinses“, so begannen die beiden
Vorstandsmitglieder der Volksbank Butzbach, Thomas Köhler und Ralf Krause, die
Vorstellung der Bilanz 2016. Trotz gestiegener Herausforderungen durch Niedrigzinsniveau,
zunehmender Regulatorik und Digitalisierung zeigte sich der Vorstand mit dem Verlauf des
Jahres 2016 und dem Ergebnis des Geschäftsjahres insgesamt zufrieden.
Die Bilanzsumme stieg um 39,1 Mio. Euro (11,3%) auf 367 Mio. Euro. Die Kundenkredite
konnten um 17,4 Mio. Euro (9,7%) auf 200 Mio. Euro und die Kundeneinlagen um knapp
20,3 Mio. Euro (6,9%) auf 283 Mio. Euro gesteigert werden, erläuterte Vorstandsmitglied
Köhler. Das betreute Kundenvolumen, das sind Bankeinlagen und -kredite einschließlich der
Kundenanlagen in Investmentfonds, Wertpapieren und Finanzierungen bei den
Verbundinstituten, stieg um 51 Mio. Euro auf nunmehr 660 Mio. Euro.
Auch im vergangenen Jahr ließ das niedrige Zinsniveau das Zinsergebnis bei der Volksbank
in Relation weiter sinken. Die Bank konnte sich jedoch, gerade durch eine positive
Entwicklung des Kreditgeschäftes, erneut erfolgreich auf dem heimischen Markt behaupten.
So wurden insgesamt 38 Mio. Euro neue Kredite an Privatkunden, hier insbesondere für den
Wohnungsbau, sowie Kredite an Firmenkunden für Investitionsfinanzierungen vergeben.
Gleichzeitig stiegen erneut die Kosten für die Regulatorik. Wie das Vorstandsmitglied Krause
erläuterte, zahle die Volksbank jährlich ca. 160 Tsd. Euro für die Bankenaufsicht und für die
Bankenabgabe in den Vorsorgefonds für mögliche Risiken, hinzu kämen noch
Personalkosten für die Erfüllung einer Vielzahl von Meldungen und Statistiken für die
Aufsichtsbehörden. Allein die laufenden Kosten für die IT ergäben jährlich knapp 600 Tsd.
Euro. Hierbei seien Ersatzinvestitionen und Wartungskosten nicht eingerechnet.
Bedingt durch die Ausweitung des Geschäftsvolumens stieg das Betriebsergebnis um 300
Tsd. Euro auf 3,3 Mio. Euro, sagte Krause. Aus diesem Ergebnis könne man erneut die
Reserven und damit das Eigenkapital stärken und den Mitgliedern eine attraktive Rendite in
Form von Dividende und Bonuszahlungen auf die Geschäftsguthaben zahlen. Insgesamt
werde man 169 Tsd. Euro an die 8.140 Mitglieder auszahlen. Dabei läge über die Hälfte der
Anteilseigner bei einer Rendite von mehr als 6%. Erfreut sei man auch über ein
ausgeglichenes Bewertungsergebnis im Kreditgeschäft und dass bei den Eigenanlagen nur
ein geringer Bewertungsbetrag zu Buche schlage.
Auch wenn gerade Kosten der Regulierung ärgerlich seien, so Krause weiter, ist man doch
als regional ansässiges Kreditinstitut zufrieden. „Wir verdienen in Butzbach und Umgebung
unser Geld und wollen dies auch an die Region in Form von sozialem Engagement
zurückgeben“, betonte Köhler. So habe man im vergangenen Jahr über 33 Tsd. Euro an
soziale, kulturelle und gemeinnützige Vereine und Institutionen spenden können.
Leider hätten sich viele Kunden mit dem niedrigen Zinsniveau abgefunden und parkten ihr
Erspartes in vielen Fällen auf unverzinslichen Tagesgeldkonten, so Köhler. Viele Kunden
seien regelrecht lethargisch in Bezug auf Geldanlage, obwohl es auch Alternativen mit
höheren Renditechancen gäbe. Die Sparer, die händeringend nach Alternativen in der
Geldanlage suchten, investierten entweder in Konsumgüter, Edelmetalle oder das
sogenannte Betongold.
Jede Anlageform habe ihren Reiz mit eigenen Chancen, aber auch Risiken. Dies mache die
Anlageentscheidung nicht leichter. Welche Produkte und Angebote für den Einzelnen die
richtigen seien, hänge von der persönlichen Risikobereitschaft ab. Hierfür habe man bei der
Volksbank die genossenschaftliche Beratung seit zwei Jahren mit dem Thema
„Beratungsqualität“ intensiviert. Die Bank sei hiermit bisher sehr erfolgreich unterwegs, das
Angebot werde von vielen Kunden geschätzt, erläuterte Köhler weiter.
Die Bank selbst muss seit letztem Jahr auf ihre bei der Bundesbank und der Zentralbank
unterhaltenen Guthaben Negativ-Zinsen bezahlen. Eine Weitergabe der Negativ-Zinsen an
Kunden sei laut Köhler derzeit nicht geplant, jedoch trage man sich mit dem Gedanken, eine
Kontoführungsgebühr auf Tagesgeldkonten einzuführen. „Wir wollen die Kunden nicht mit
Minus-Zinsen bestrafen, aber mit der Kontoführungsgebühr einen Anstoß geben, sich
beraten zu lassen“, so Krause.
Erfolgreich sei auch der Schulservice der Volksbank. Hier sind Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter an Butzbacher Schulen mit verschiedenen Vorträgen zu Finanzthemen im
Unterricht unterwegs. Darüber hinaus unterstütze die Volksbank die Stiftung „Deutschland im
Plus“ die bereits mehrere Unterrichtstunden in Butzbacher Schulen zur Schuldenprävention
durchgeführt habe, sagte Köhler.
Neben den drei regionalen Mitglieder-Ortsversammlungen in Gambach, Pohl- / Kirch-Göns
sowie Nieder-Weisel findet am 30. März 2017 wieder eine zentrale Mitgliederversammlung
im Bürgerhaus Butzbach statt. Als Gastredner konnte man das Mitglied der Chefredaktion
des Magazins „Stern“, Hans-Ulrich Jörges, verpflichten, bestätigte Krause. Jörges wird als
ausgewiesener Kenner der Berliner Politik wenige Monate vor der Bundestagswahl zu dem
Themenbereich „Trump, Brexit und das Superwahljahr“ sprechen.
Erstmals wird die Volksbank am 9. Juni eine Veranstaltung für junge Mitglieder durchführen.
Die Auszubildenden der Bank hätten eine Mischung aus Information und Unterhaltung
zusammengestellt. Man hoffe auf eine gute Resonanz, so Krause.
Ein großes Thema werde in Zukunft der gesamte Bereich Digitalisierung sein, betonte
Köhler. Sie mache vor der Bankenbranche nicht halt. Ob Kontoführung oder
Zahlungsverkehr, das Online Banking habe immer mehr Nutzer. Ebenso stiegen die Zahlen
beim Mobilebanking, also der Nutzung von Bankdienstleistungen immer und überall mit dem
Smartphone oder dem Tablet-Computer.
Die am häufigsten besuchte Geschäftsstelle sei die Homepage im Internet, so Köhler weiter.
Die Bank wolle zukünftig mit einem Omnikanalangebot ein breites Spektrum der
Zugangswege in der Kommunikation anbieten, wobei dies mit einer engen Vernetzung der
verschiedenen Kanäle verbunden sein soll.
Den, bedingt durch das niedrige Zinsniveau, zurückgehenden Erträgen aus dem originären
Zinsgeschäft will man bei der Volksbank durch alternative Ertragsquellen begegnen, sagte
Krause. So werde man in diesem Jahr mit dem Bau eines Drei-Familien-Wohnhauses auf
dem Grundstück der ehemaligen Geschäftsstelle in Münzenberg beginnen. Ebenfalls für
dieses Jahr sei noch der Baubeginn von drei Gebäuden auf dem ehemaligen Postgelände in
der Weiseler Straße 50 in Butzbach vorgesehen. Hier sollen 37 Mietwohnungen und
Gewerbeflächen für Büros und Praxen entstehen.
Mit ca. 18.000 Kunden und 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern blickt die Volksbank
Butzbach vorsichtig optimistisch in die Zukunft, auch wenn wegen der geschilderten
Schwierigkeiten im Zinsgeschäft und der hohen Kosten für die Regulierung das Ergebnis
zurückgehen dürfte. „Wir haben eine gute Grundkonstitution, einen klaren Blick nach vorne
und ein tragfähiges Geschäftsmodell“, betonte der Vorstand abschließend. Man sei gut
gerüstet für die Anforderungen des Gesetzgebers und die genannten Herausforderungen
des Marktes.

Das Foto zeigt die beiden Vorstandsmitglieder der Volksbank Butzbach eG, Thomas Köhler und Ralf Krause, die kürzlich die Zahlen der Bilanz vorstellten.