Volksbank informiert über Entwicklung der Bank

Gastredner Hans-Ulrich Jörges beisterte mit seinem Bericht die Bankteilhaber

BUTZBACH (PA). In der Mitgliederversammlung der Volksbank Butzbach bekamen die
Bankteilhaber von Vorstandsmitglied Thomas Köhler einen Überblick über die Entwicklung der
ortsansässigen Genossenschaftsbank im vergangenen Jahr verbunden mit einem Ausblick auf das
laufende Geschäftsjahr. Mit dem Gastredner Hans-Ulrich Jörges, Mitglied der Chefredaktion des
Magazins „Stern“, hat die Volksbank Butzbach einen angemessenen Höhepunkt zur diesjährigen
Mitgliederversammlung im voll besetzten Bürgerhaus in Butzbach präsentieren können.
Jörges ist ein ausgewiesener Kenner der politischen Bühne und berichtete in seinem spannenden
und kurzweiligen Vortrag in verständlicher und lockerer Weise. „Keine Angst vor 2017. Trump,
Brexit und das Superwahljahr“ war sein überaus aktuelles Thema wenige Monate vor der
Bundestagswahl. Er zeigte Probleme auf, gab Tiefe Einblicke in die Politik, hatte kritische
Anmerkungen, verbreitete aber auch Hoffnung für die Zukunft. Die über 500 anwesenden
Mitglieder der Volksbank waren begeistert.
Vorstandsmitglied Thomas Köhler berichtete in seinem Vortrag sowohl über das schwierige
gesamtpolitische Umfeld als auch über die erfreuliche positive Entwicklung der Volksbank
Butzbach im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016. Die Volksbank Butzbach werde ihren knapp 8.200
Mitgliedern erneut eine Grunddividende von 2% auszahlen können. Mit den Zahlungen des
Mitgliederbonus wird über die Hälfte der Mitglieder eine Gesamtrendite von mehr als 6 % erhalten.
Die EZB hat im vergangenen Jahr ihre extreme Geldpolitik weiter ausgebaut, der Leitzins bleibt bei
Null.
Nach den Berechnungen der Deutschen Bundesbank führe der Niedrigzins seit 2008 zu einer
Zinsersparnis für Bund und Länder in Höhe von 240 Mrd. Euro. Es bestehe daher augenscheinlich
kein Grund für Deutschland, auf eine Änderung der Geldpolitik zu drangen. Bei diesem Betrag ist
es aber auch deutlich, welche Risiken auf Bund und Länder bei einer nachhaltigen Zinssteigerung
zukämen. Leittragende in Deutschland seien die Sparer, deren Zinserträge wegbrächen und die
Unternehmen, die unter der steigenden Last der Pensionsrückstellungen ächzen. Im Ergebnis
habe die politisch motivierte Niedrigzinspolitik zur Unterstüzung der schwächeren Südländer
jedoch noch keine erkennbaren Fortschritte gebracht.
Die Volksbank selbst zahle seit letztem Jahr auf den bei der Bundesbank und der Zentralbank
unterhaltenen Guthaben Negativ-Zinsen, eine Weitergabe der Negativ-Zinsen an Kunden sei
derzeit nicht geplant. Im Hinblick auf die Entwicklung der Zinsen möchte die Volksbank Butzbach
mit ihrer genossenschaftlichen Beratung die Ziele und Wünsche ihrer Kunden noch mehr in den
Fokus einer ganzheitlichen Beratung stellen. Deshalb hat die Volksbank ihre Beratungsphilosophie
unter dem Thema "Beratungsqualität" seit zwei neu strukturiert.
Auch die Bank dürfe sich nicht der Entwicklung der aktuell schwierigen Zinslandschaft
verschließen und müsse im Hinblick auf den Rückgang der ordentlichen Erträge aus dem
Zinsgeschäft nach alternativen Ertragsquellen suchen. So wird auf dem Grundstück der
ehemaligen Zweigstelle in Münzenberg in diesem Jahr mit dem Bau eines Dreifamilienwohnhaus
begonnen, um Mieterträge zu erzielen. Des Weiteren habe die Bank Ende vergangenen Jahres
das Nachbargrundstück der Hauptstelle in Butzbach, besser bekannt unter dem Begriff altes
Postgelände, Weiseler Straße 50, erworben. Hier sollen nach einem Abriss des bestehenden
Gebäudes drei Gebäude mit 37 Mietwohnungen sowie Gewerbeflächen für Praxen und Büros
entstehen. Auch hier möchte die Bank zur Stabilisierung der Erträge Mieteinnahmen erzielen.
Die Volksbank in Zahlen
Neben der Steigerung der Bilanzsumme um 37 Mio. Euro auf 367 Mio. Euro und des gesamten
Kundenvolumens um 43 Mio. Euro auf inzwischen 652 Mio. Euro konnte Köhler über die
erfreuliche Steigerung der Einlagen und Kredite berichten. Die Kredite an Firmen- und
Privatkunden konnten um 9,7% auf 200 Mio. Euro, die Kundeneinlagen um 6,9% auf 283 Mio.
Euro gesteigert werden.
Die Leistungsbilanz der Volksbank Butzbach sei auch nicht zu verachten. Die heimische Volksbank
stelle der Region insgesamt 5,7 Mio. Euro an Kaufkraft mit Ertragssteuern, Gehaltszahlungen,
Aufträge an die heimischen Handwerker sowie Spenden für soziale, sportliche und kulturelle
Einrichtungen zur Verfügung.
Gastredner Hans-Ulrich Jörges
Der Höhepunkt dieses Abends war dann der Vortrag von Gastredner Hans-Ulrich Jörges. Er
kommentiert seit vielen Jahren das politische Geschehen in Deutschland. Aber auch die
internationale Entwicklung hat er immer im Fokus. Er ist als „Mann der klaren Worte“ bekannt. Im
Jahr 2004 wurde Jörges zum Journalisten des Jahres in der Kategorie „Politik“ gewählt. Die
britische Financial Times zählte ihn 2006 zu den einflussreichsten Kommentatoren der Welt. Seit
2007 ist er Mitglied der Chefredaktion des Stern. Wöchentlich erscheint im Stern seine Kolumne
„Zwischenruf aus Berlin“.
Jörges absolvierte eine Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten und studierte
Gesellschaftswissenschaften. 1977 wurde er der stellvertretende Leiter des Inlandsresorts der
Nachrichtenagentur Reuters in Bonn. 1986 wechselte Hans-Ulrich-Jörges als Redakteur ins
Bonner Büro des Stern und übernahm 1990 die Leitung des Politikressorts beim Stern und wurde
in 1992 dessen stellvertretender Chefredakteur. Im gleichen Jahr wechselte er in die
Entwicklungsredaktion der im Aufbau befindlichen neuen Wochenzeitung „Die Woche“. Seit
Erscheinen der ersten Ausgabe im Februar 1993 war er zunächst Chef des Politikressorts, dann
stellvertretender Chefredakteur. In der Zeit von Januar bis Dezember 2001 war er Chefredakteur
des Wochenblattes.
2002 kehrte Jörges dann wieder zum Stern zurück und leitete als stellvertretender Chefredakteur
des Stern bis August 2007 das Hauptstadtbüro in Berlin. Seit 2007 ist er beim Stern Mitglied der
Chefredaktion. In seiner wöchentlich erscheinenden Kolumne „Zwischenruf“ kommentiert er das
politische Geschehen.
Zu Beginn seiner Rede tadelte Jörges den „Rudeljournalismus“, womit er auf die Stimmungsmache
anspielte. Alle schreiben in die gleiche Richtung, weil es gerade interessant sei. Vieles entwickele
sich jedoch deutlich entspannter, als es die Presse berichte.
Jörges unternahm mit den Volksbankmitgliedern eine politische Reise rund um Deutschland, um
dann in Deutschland selbst zu landen. Er startete in den USA. Trump sei die personifizierte
Unberechenbarkeit. Er werde die Welt weiter in Atem halten und sei auch der schwierigste Fall für
Merkel.
Als neuer Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika spaltet der Unternehmer Donald Trump
nicht nur das eigene Land. Ganz Europa fragt sich, wie sich die transatlantischen Beziehungen
entwickeln werden. Die Wallstreet boomt und wartet auf die angekündigte Steuersenkung und das
Investitionsprogramm.
Die Wähler werden mit ihren Abstimmungen bei den kommenden Wahlen die politische Richtung
nicht unterstützen, prognostizierte Jörges. Aus jeder Bewegung ergebe sich eine Gegenbewegung.
Nach Österreich habe sich der Trend in den Niederlanden gegen die Rechtspopulisten fortgesetzt.
Und das erwartet Jörges auch in Frankreich. Damit sei Europa nicht angeschlagen, sondern werde
gestärkt. Auch für Deutschland erwartet er eine gleich Tendenz bei den noch ausstehenden
Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen.
Großbritannien hat neun Monate nach dem knappen Referendum für den EU-Austritt diesen nun
offiziell beantragt. Jetzt beginnen die schwierigen und langwierigen Verhandlungen. Dieser Schritt
wird für Großbritannien und auch für die EU ein signifikanter Belastungsfaktor sein. „Die Briten
werden sich diesen Schritt noch überlegen“, so Jörges weiter. Er hält ein neues Referendum
durchaus für möglich.
Für Deutschland hält er einen Machtwechsel nicht für ausgeschlossen, er sieht eine gewisse
„Merkelmüdigkeit“. Aber Merkel scheine auch von der gesamtpolitischen Lage zu profitieren. So
einen rasanten Prozess wie mit Martin Schulz habe Deutschland noch nie erlebt. „Für die
Bundestagswahl ist noch nichts entschieden, alles bleibt offen“, so Jörges weiter.
Die Zukunft für Deutschland sieht er jedoch sehr positiv: „Deutschland geht es so gut wie nie“.
2017 werde ein spannendes Jahr, aufregend, am Ende erwartet er sogar Zuversicht.
Viel Applaus gab es für die deutlichen und verständlichen Worte des Experten. Im Anschluss
waren die Mitglieder der Volksbank noch zu einem kleinen Imbiss und Getränken im Foyer des
Bürgerhauses eingeladen. Jörges war auch hier ein angenehmer Gesprächspartner, viele nutzten
die einmalige Gelegenheit, ein paar Worte mit ihm zu wechseln. Zu allen ihm vom interessierten
und fachkundigen Publikum gestellten Fragen gab er gerne Auskunft.

Unter dem Thema „Keine Angst vor 2017. Trump, Brexit und das Superwahljahr“ berichtete der ausgewiesene Kenner der politischen Bühne Mitglied der Chefredaktion des Magazins „Stern“, Hans-Ulrich Jörges in einem kurzweiligen Überblick über die aktuellen politischen Themen. Unser Bild zeigt den Gastredner Hans-Ulrich Jörges zusammen mit den beiden Vorstandsmitglieder der Volksbank Butzbach eG Thomas Köhler und Ralf Krause.