Volksbank Butzbach mit 2015 zufrieden

Bilanzsumme wächst um 1,6 Prozent
Kundenvolumen steigt auf 609 Millionen Euro

BUTZBACH (PA). „Erneut waren die niedrigen Zinsen das beherrschende Thema in
Beratungsgesprächen im abgelaufenen Jahr“, so begann der Vorstand der Volksbank
Butzbach die Vorstellung der Bilanz 2015. Trotz anhaltender Niedrigzinsphase und
kostenintensiver Regulatorik ist man mit dem Ergebnis des Jahres 2015 zufrieden.
Die Bilanzsumme stieg um 5 Mio. Euro (1,6%) auf 330 Mio. Euro. Die Kundenkredite
konnten um 11,6 Mio. Euro (6,8%) auf 183 Mio. Euro und die Kundeneinlagen um knapp 5
Mio. Euro (1,9%) auf 265 Mio. Euro gesteigert werden, erläuterte Vorstandsmitglied Köhler.
Das betreute Kundenvolumen, einschließlich Kundenanlagen in Investmentfonds,
Wertpapieren und Finanzierungen bei den Verbundinstituten, stieg um 27 Mio. Euro auf
nunmehr 609 Mio. Euro.


Das niedrige Zinsniveau lässt allerdings auch bei der Volksbank das Zinsergebnis sinken.
Einerseits haben sich die Kunden damit abgefunden, dass ihre Einlagen kaum verzinst
werden. Auf der anderen Seite aber werden viele Kredite, die die Bank zu höheren
Zinsfestschreibungen vor Jahren vergeben hat, durch Auslaufen der Festzinsvereinbarungen
immer weniger und nun zu niedrigeren Zinssätzen abgeschlossen.
Gleichzeitig stiegen insbesondere die Kosten für Regulatorik. Wie das Vorstandsmitglied
Krause erläuterte, zahle die Volksbank jährlich ca. 180 Tsd. Euro für Bankenaufsicht und
Bankenabgabe, hinzu kämen noch Personalkosten für die Erfüllung einer Vielzahl von
Meldungen und Statistiken für die Aufsichtsbehörden. Allein die laufenden Kosten für die IT
ergäben jährlich knapp 660 Tsd. Euro. Hierbei seien Ersatzinvestitionen und Wartungskosten
nicht eingerechnet.


Das Betriebsergebnis reduzierte sich, insbesondere durch das niedrigere Zinsergebnis um
200 Tsd. Euro auf 2,8 Mio. Euro, sagte Krause. Dennoch könne man aus diesem Ergebnis
erneut die Reserven und damit das Eigenkapital stärken und den knapp 8.200 Mitgliedern
eine attraktive Rendite in Form von Dividende und Bonuszahlungen auf die
Geschäftsguthaben zahlen. Insgesamt werde man 169 Tsd. Euro an die Mitglieder
auszahlen. Dabei läge über die Hälfte der Anteilseigner bei einer Rendite von mehr als 6%.
Erfreut sei man ebenso, dass die Bewertungsergebnisse im Kreditgeschäft ausgeglichen und
bei den Eigenanlagen sogar im positiven Bereich seien. Auch wenn gerade Kosten der
Regulierung ärgerlich seien, so Krause weiter, ist man doch als regional ansässiges
Kreditinstitut zufrieden.


„Wir verdienen in Butzbach und Umgebung unser Geld und wollen dies auch an die Region
in Form von sozialem Engagement zurückgeben“, betonte Köhler. So habe man im
vergangenen Jahr über 33 Tsd. Euro an soziale, kulturelle und gemeinnützige Vereine und
Institutionen spenden können.


Besonders stolz sei man auf die Gründung einer Genossenschaft zur Finanzierung der
Kinderbetreuung an Butzbacher Schulen. Durch die gemeinsame Initiative von
Stadtverwaltung und Volksbank kann in diesem Jahr die Kinderbetreuung im Degerfeld
bereits durch einen Beitrag der Genossenschaft unterstützt werden. Ziel der Genossenschaft
ist es, die drohende Streichung der Zuschüsse durch die Stadt in Form von Spenden von
Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen auszugleichen. Dies sei noch ein weiter Weg,
so Köhler. Man sei aber zuversichtlich, weitere Unterstützer zu finden. Denn schließlich sei
auch die Sicherstellung von nachmittäglicher Kinderbetreuung ein Standortfaktor für die
Stadt sowie eine Steigerung der Attraktivität der Unternehmen als Arbeitgeber.
Bisher haben sich die Butzbacher Unternehmen Kran-Burgard, Gerhardt Bauzentrum, Hess
Natur, Bauunternehmen Hildebrand, SCL GmbH sowie Garten- und Landschaftsbau Paul
Sonntag beteiligt. Je mehr Bürger und Unternehmen gewonnen werden können, umso
schneller könne die Unterstützung auch auf andere Schulstandorte ausgeweitet werden.
Im Gegensatz zu Direktbanken und überregional tätigen Banken schätzen die Kunden die
Nähe und Persönlichkeit ihrer Volksbank vor Ort. „Wir überzeugen mit Qualität, Solidität und
Zuverlässigkeit“, so Köhler weiter. Daher könne man aber auch nicht Preisführer sein und
kostenlose Dienstleistungen anbieten. Das Personal und die örtliche Präsenz verursachten
nun einmal Kosten.


Auch Vertreter von Bundesbank und Bankenaufsicht betonten in der letzten Zeit verstärkt,
dass kostenlose Dienstleistungen betriebswirtschaftlich nicht zu vertreten seien und man
Banken haben wolle, die Geld verdienen, um Eigenkapital zu stärken. Bei der Ausstattung
mit Eigenkapital habe man zwar bei der Volksbank noch nie Probleme gehabt, so Krause,
man wolle aber für zukünftige Herausforderungen gewappnet sein. So habe man sich dazu
entschlossen, zum 1. April 2016 neue Kontomodelle für Girokonten einzuführen.
Seit vielen Jahren seien die Preise stabil, die Kosten aber gestiegen. Man wollte allerdings
nicht einfach an der Preisschraube drehen, sondern auch Lösungen zum Vorteil der Kunden
finden. Bei den Verbrauchern seien sogenannte Paketlösungen immer mehr gefragt und
auch von Kunden der Volksbank gefordert worden. Mit den bisherigen Kontomodellen sei
man immer wieder negativ in Vergleichen mit anderen Instituten bewertet worden. „Also
mussten wir etwas tun und ich denke, wir haben Lösungen gefunden, die Leistungen
entsprechend der Nutzung eines Kontos beinhalten“, erläuterte Krause.


Mit der im vergangenen Jahr neu strukturierten Kundenberatung sei man auf gutem Wege.
Sie zeige auch schon Früchte des Erfolgs. Die Volksbank wolle noch mehr mit der
Einzigartigkeit der genossenschaftlichen Beratung die Ziele und Wünsche der Kunden in den
Fokus einer ganzheitlichen Beratung stellen, so Köhler. Es sei aber leider immer noch vielen
Kunden nicht bewusst, dass es bei Geldanlagen auf eine breite Streuung der Anlageklassen
ankomme. Viele Kunden verlören Geld durch eine falsche Strukturierung, ergänzte Krause.
Erneut übte Köhler Kritik an der Politik der EZB. Durch die bereits seit einigen Jahren
künstlich niedrig gehaltenen Zinsen wolle man die Kreditnachfrage ankurbeln. Dies sei aber
gerade in Deutschland überhaupt nicht das Problem. Unternehmen investierten, wenn sich
die Investition rechne, dabei sei der Zins für die Finanzierung nur ein Teil der
Planungsrechnung. Ebenso setze das niedrige Zinsniveau europaweit keine Anreize für
Politiker, Reformen der Staatsfinanzen vorzunehmen. „Wenn sich die Staaten zu niedrigen
Zinsen verschulden können, gibt es keine Notwendigkeit, die Staatshaushalte zu
reformieren“, so Köhler.


Die EZB stecke mit weiter anhaltend niedrigen Zinsen in einem immer größeren Dilemma:
„Bei steigenden Zinsen steigen auch die Zinslasten für Staatsschulden. Für die dann
entstehenden Lücken in den Haushalten wird man dann die EZB verantwortlich machen“,
ergänzte Krause.


Auch lehnen die Vorstände der Volksbank die Absichten der EU zu einer europäischen
Einlagensicherung ab. Solange nicht alle Euro-Staaten die gesetzlichen Regelungen für
eigene Einlagensicherungen geschaffen hätten, könne es keine Vergemeinschaftung geben.
Die gesetzlich vorgeschriebenen jährlichen Informationen verunsicherten die Kunden mehr,
als dass sie zu einer Beruhigung beitrügen. Bei den Genossenschaftsbanken gäbe es schon
seit über 80 Jahren einen solidarischen Institutsschutz, der alle Einlagen der Kunden, ohne
Betragsbegrenzung, schütze und damit weit über den gesetzlichen Rahmen hinausginge.
Informieren dürfe man aber nur über die gesetzlichen Rahmenbedingungen. „Das schadet
mehr, als dass es nützt“, so Köhler.


Ein Bekenntnis zur Präsenz in der Fläche seien die im letzten Jahr durchgeführte
Renovierung der Geschäftsstelle in Gambach sowie der zurzeit erfolgende Umbau der
Geschäftsstelle in Kirch-/Pohl-Göns. Hier zeige sich, dass durch fehlende Beratungszimmer
die Diskretion leide. Man habe sich deshalb zu einer grundlegenden Umgestaltung
entschieden.


Überzeugt ist man bei der Volksbank auch vom neuen Internet-Bezahldienst der deutschen
Kreditwirtschaft „Paydirekt“. Von den ca. 9000 Girokontoinhabern habe sich bereits eine
Vielzahl von Kunden für den neuen Bezahldienst angemeldet. Mit der zunehmenden
Beteiligung von Online-Händlern würde sich das System mit der Zeit behaupten können,
meinte Krause. Vor allen Dingen sei dieses System sicher, da die Daten der Nutzer
ausschließlich in Deutschland verwaltet und nicht für sonstige Zwecke missbraucht würden.
Mit ca. 17.800 Kunden und 95 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern blickt die Volksbank
vorsichtig optimistisch in die Zukunft, auch wenn wegen der geschilderten Schwierigkeiten im
Zinsgeschäft und der hohen Kosten für die Regulierung das Ergebnis zurückgehen dürfte.
„Wir haben eine gute Grundkonstitution, einen klaren Blick nach vorne und ein tragfähiges
Geschäftsmodell“, betonte der Vorstand abschließend.

Das Foto zeigt die beiden Vorstandsmitglieder der Volksbank Butzbach eG, Thomas Köhler und Ralf Krause, die kürzlich die Zahlen der Bilanz 2015 vorstellten.