Volksbank informiert über Entwicklung der Bank

„Mr. Europa“ Udo van Kampen begeisterte mit seinem Bericht die Bankteilhaber

BUTZBACH (PA). In der Mitgliederversammlung der Volksbank Butzbach
bekamen die Bankteilhaber von Vorstandsmitglied Ralf Krause einen Überblick über die
Entwicklung der ortsansässigen Genossenschaftsbank im vergangenen Jahr verbunden
mit einem Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr.
Mit dem Gastredner Udo van Kampen ist es der Volksbank Butzbach gelungen, einen
angemessenen Höhepunkt zur diesjährigen Mitgliederversammlung im voll besetzten
Bürgerhaus in Butzbach zu präsentieren. Der Europakenner berichtete in seinem
spannenden und kurzweiligen Vortrag in verständlicher aber auch amüsanten und lockerer
Weise zu dem immer wieder aktuellen Thema „Die Europäische Union vor der Spaltung?“
sowie über die große Herausforderung an die der Union zugehörigen Länder unter
Berücksichtigung der aktuellen Krisensituation mit Flüchtlingen. Die Mitglieder waren
begeistert.
Ralf Krause berichtete in seinem Vortrag sowohl über das schwierige gesamtpolitische
Umfeld als auch über die erfreuliche positive Entwicklung der Volksbank Butzbach im
abgelaufenen Geschäftsjahr 2015. Die konjunkturelle Entwicklung Deutschlands mit
insgesamt schwierigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen war ebenso Thema
seiner Ausführungen wie die Schwierigkeiten der mittelständischen, regionalen Banken im
Hinblick auf die Regulatorik mit den damit in Verbindung stehenden massiven Kosten.
Ein weiteres Thema war die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. "Das Zinsniveau
liegt erkennbar unterhalb der aktuellen Inflationsrate", so Krause. Im Ergebnis profitieren
die Schuldner und die Sparer werden Jahr für Jahr um Teile ihres Ersparten gebracht.
Aktuell wurde der Leitzins von der EZB kürzlich auf 0% gesenkt. Auch unter diesem
Gesichtspunkt möchte die Volksbank Butzbach mit ihrer genossenschaftlichen Beratung
die Ziele und Wünsche ihrer Kunden noch mehr in den Fokus einer ganzheitlichen
Beratung stellen. Deshalb hat die Volksbank ihre Beratungsphilosophie unter dem Thema
"Beratungsqualität" neu strukturiert.
"Bank ist nicht gleich Bank", so Krause weiter. "Wir sind keine Global Player, wir sind eine
lokal und regional agierende Genossenschaftsbank". Die Voilksbank unterstütze ihre
Kunden und Mitglieder, Kreditentscheidungen werden vor Ort unter Kenntnis der lokalen
Begebenheiten getroffen. Die Kundenberater stehen für persönliche Termine zur
Verfügung.
Auch das Sicherungssystem für die Einlagen der Kunden reicht weit über den gesetzlichen
Einlagenschutz entsprechend dem europäischen Verbraucherschutz von bis zu 100.000
Euro. „Wir Genossenschaftsbanken verfügen über ein hervorragendes und viel
weitergehendes Sicherungssystem, noch kein Sparer ist zu Schaden gekommen", so
Krause weiter.
Mit den neuen Kontomodellen biete die Volksbank sehr übersichtliche und kompakte
Paketlösungen. Mit der Bereitstellung der örtlichen Infrastruktur und der qualifizierten
Beratung in den Geschäftsstellen könne sich die Volksbank nicht mit Direktbanken
vergleichen.
Neben der Steigerung der Bilanzsumme auf knapp 330 Mio. Euro und des gesamten
Kundenvolumen -inklusive Finanzierungen und Geldanlagen bei den
Verbundunternehmen wie u.a. Bausparkasse Schwäbisch Hall, R+V Versicherung und
Union Investment- auf inzwischen 609 Mio. Euro konnte Krause über die erfreuliche
Steigerung der Einlagen und Kredite berichten. Die Kredite an Firmen- und Privatkunden
konnten um 6,7% auf 182 Mio. Euro, die Kundeneinlagen um 1,9% auf 265 Mio. Euro
gesteigert werden.
Die Leistungsbilanz der Volksbank Butzbach sei auch nicht zu verachten. Die heimische
Volksbank stelle der Region insgesamt 6,1 Mio. Euro an Kaufkraft mit Ertragssteuern,
Gehaltszahlungen, Aufträge an die heimischen Handwerker sowie Spenden für soziale,
sportliche und kulturelle Einrichtungen zur Verfügung.
Der Höhepunkt dieses Abends war dann der Vortrag von Udo van Kampen. Ralf Krause
kündigte ihn mit einem kurzen Film an, den van Kampen zum Abschied als Geschenk von
seinen ZDF-Kollegen erhielt. Ein interessanter Überblick auf seine 40-jährige Tätigkeit als
Journalist und Auslandskorrespondent.
Van Kampen studierte Volkswirtschaft und Wirtschaftspädagogik. 1976 begann er als
Wirtschaftsredakteur beim ZDF und trat in die ZDF-Wirtschaftsredaktion „Bilanz“ ein.
Zudem war er Mitbegründer des Wirtschaftsmagazins „WISO“. Bereits Ende der 80er und
Anfang der 90er Jahre war Udo van Kampen Auslandskorrespondent bzw. Studioleiter in
Brüssel. Er berichtete zwei Jahrzehnte lang für das ZDF von dort, von Europäischen
Gipfeltreffen und anderen wichtigen europapolitischen Entscheidungen ebenso wie über
die Entwicklungen bei der Nato. In den Jahren dazwischen leitete er das ZDF-Studio in
New York und informierte die Fernsehzuschauer von dort über die Ereignisse in den USA,
Kanada und bei der UNO. Für viele Zuschauer war er “Mr. Europa” oder „Mr. Brüssel“.
Immer wieder führte ihn sein Berufsweg dorthin, zuletzt von 2003 bis 2014.
Udo van Kampen ist somit ein exzellenter Kenner der beiden mächtigsten Regionen der
Welt und zu dieser Thematik als Redner gefragt. In seinem Vortrag „Die Europäische
Union vor der Spaltung?“ warb der Europabefürworter van Kampen dafür, die
„europäische Idee“ weiterzuverfolgen und das im Rahmen des europäischen
Einigungsprojekts Erreichte – trotz der aktuellen Krisensituation – weiter wertzuschätzen.
Es müsse abgewogen werden, was uns dieses vereinte Europa wert ist. Populismus und
(Re)-Nationalisierungstendenzen beherrschten immer wieder Medien und öffentlichen
Diskurs.
Die Flüchtlingsthematik sei eine große Herausforderung, die Europa zu bewältigen habe.
Insbesondere im Hinblick auf die ungerechte Verteilung gäbe es zu einer europäichen
Lösung keine Alternative. Die Außengrenzen der EU müssen gestärkt werden.
Zum Thema der Zahlungsunfähigkeit Griechenlands ist er fest davon überzeugt, dass es
wieder kommt. „Wir erwarten einen griechischen Sommer“. Es ist eine politische Realität
und es wird keinen Ausweg geben, die Schulden können nicht zurückgezahlt werden.
Auch die Niedrigzinspolitik kritisierte van Kampen. Der fehlende Druck durch einen
gerechten Zins verhindere Reformen. Die billigen Zinsen beflügeln keineswegs das
Wachstum und bringe den Euro in Gefahr. Als Befürworter Europas sieht er im
Referendum um den Verbleib des Vereinigten Königsreichs ebenfalls eine Gefahr für die
EU. Bei einem Brexit verliere Deutschland einen wichtigen Mitstreiter in der Union.
Udo van Kampens Herz schlägt eindeutig für Europa. Er habe miterlebt, wie sich Europa
entwickelt hat, die Grenzen gefallen sind und der Euro in Maastricht aus der Taufe
gehoben wurde. „Wir haben 70 Jahre in Wohlstand und Frieden erlebt“, so van Kampen
und das müsse auch im Hinblick auf die nachfolgenden Generationen erhalten bleiben.
Die Welt stelle sich vor allem mit Blick auf China und Indien neu auf, nur ein gemeinsames
Europa sei hier stark genug.
Die Krise könne nach Ansicht van Kampens nur dann überwunden werden, wenn sie dazu
genutzt werde, um weitere Integrationsschritte zu realisieren. Dazu sei allerdings mehr
Solidarität in Europa vonnöten; der europäische Integrationsprozess könne über eine
Verlagerung von Souveränitätsrechten, z.B. in der Wirtschafts- oder Finanzpolitik, auf die
EU-Ebene forciert werden. So könne, betonte van Kampen, die aktuelle Krise auch eine
Chance darstellen, um schrittweise die Investitionsbereitschaft in Europa zu erhöhen und
die EU-Bürger wieder für die „europäische Idee“ zu begeistern.
Viel Applaus gab es für die deutlichen und verständlichen Worte des Experten. Zu allen
ihm vom interessierten und fachkundigen Publikum gestellten Fragen gab er gerne
Auskunft. Im Anschluss waren die Mitglieder der Volksbank noch zu einem kleine Imbiss
und Getränken im Foyer des Bürgerhauses eingeladen. Van Kampen war auch hier ein
angenehmer Gesprächspartner, viele nutzen die einmalige Gelegenheit, ein paar Worte
mit ihm zu wechseln.