Vertreterversammlung 2015

Volksbank informiert Anteilseigner über Entwicklung

BUTZBACH (PA). In der Vertreterversammlung der Volksbank Butzbach bekamen die
Mitglieder von Vorstandssprecher Thomas Köhler einen allgemeinen Überblick über die
gesamtwirtschaftliche Situation sowie über die Entwicklung der ortsansässigen Volksbank im
vergangenen Jahr verbunden mit einem Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr. Auch die
Leistungsbilanz als Förderer der Region kann sich sehen lassen. Auf dem Programm standen noch Wahlen zum Aufsichtsrat sowie die Ehrungen langjähriger Mitglieder. Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Fuchs führte durch die Tagesordnung.

In seinem Vorstandsbericht ging Thomas Köhler auf die Niedrigzinsphase mit Zinsverlusten
für die Sparer und Ersparnisse für die Kreditnehmer ein. Aber auch den Banken, die sich im
Rahmen eines traditionellen Geschäftsmodells den Sparern und den klassischen
Kreditnehmern zuwenden, begrenze das aktuell anhaltende Niedrigzinsniveau die
Ertragsmöglichkeiten.
Die langandauernde und extreme Niedrigzinspolitik der EZB stelle alle Finanzdienstleister
der Eurozone vor besondere Herausforderungen. Sie führe zu Fehlallokationen von
Vermögenswerten, Entwertung von Sparguthaben und Altersversorgung und hat weitere
unerwünschte Begleiterscheinungen, deren Folgen wir vermutlich erst in einigen Jahren
erkennen werden. Auch auf das zinsertragsabhängige Geschäftsmodell der Volksbank
Butzbach wirke sich die Geldpolitik der EZB negativ aus. Nach Einschätzung des
Bankvorstandes wird die EZB ihre lockere Geldpolitik noch mindestens bis Herbst 2016
beibehalten.

Durch diese Niedrigzinsphase breche den Banken mit traditionellem Bankgeschäft, wie
insbesondere die Genossenschaftsbanken, die Haupteinnahmequelle weg. Also genau den
Banken, wie der Volksbank Butzbach, die die Finanzkrise nicht verursacht haben. Und
ausgerechnet diese Banken stehen auch noch andererseits durch die zunehmende
Regulierung und deren Kosten unter Druck. Die Gesetzgeber in Deutschland und Europa,
einschließlich EZB und Bankenaufsicht, schere alle Banken mehr oder weniger über einen
Kamm, ohne Rücksicht darauf, ob sie Teil des Problems oder Teil der Lösung waren und
sind. Die Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland haben solide gewirtschaftet und keine
staatliche Hilfe benötigt und sind letztendlich auch in der Krise immer der stabile Anker für
Wirtschaft und Verbraucher gewesen.

"Nachdem sich im Herbst letzten Jahres die Stimmung im deutschen Mittelstand deutlich
eingetrübt hatte, sind die kleinen und mittleren Unternehmen inzwischen wieder spürbar
besser gelaunt", so Köhler weiter. Geschäftserwartungen und aktuelle Lage werden derzeit
besser bewertet als vor sechs Monaten. Allerdings verschließen auch die Mittelständler
dabei keineswegs die Augen vor den derzeitigen internationalen Krisen, wie zum Beispiel
dem Konflikt in der Ukraine oder der schwierigen Finanzlage in Griechenland. Aber den
kleinen und mittleren Unternehmen bereiten insbesondere bürokratische Hemmnisse und
der Facharbeitermangel Sorgen. Immerhin 72 % der befragten Unternehmen identifizieren
die Bürokratie als ein aktuelles Problemfeld.
Nicht alle Länder in Europa nutzen, auch im Hinblick auf die Niedrigzinspolitik der EZB, die
Spielräume für Reformen und die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte. Auch
Deutschland leiste sich eine unnötige und kostspielige Politik der Spendierhosen. Die
günstige Haushaltslage ist im Wesentlichen auf die geringen Zinskosten für Staatsschulden
zurückzuführen. Hier ginge in Deutschland aber noch mehr, so Köhler. Spanien, Portugal,
Irland und auch Zypern sind auf einem guten Weg, um die Krise zu überwinden. Sie haben
notwendige Einsparungen und Reformen konsequent umgesetzt.
Doch weite Teile Europas sind nach wie vor wirtschaftlich in keiner guten Verfassung.
Bevor nicht die notwendigen Reformen in anderen Ländern umgesetzt sind, wird es kaum
signifikant steigende Zinsen geben. Und solange es niedrige Zinsen gibt, fehlt der Anreiz zu
Reformen.
Aber auch die Kunden der Bank beschäftige die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank.
Einerseits sind niedrige Zinsen gut für die Finanzierung von Investitionen oder
Wohnimmobilien, andererseits fragen sich natürlich viele Sparer: Wohin mit dem Geld?
Die Sparquote sinkt und die Deutschen müssten eigentlich mehr sparen. Denn die
Menschen werden immer älter und die gesetzliche Rente leistet immer weniger. Private
Vorsorge ist deshalb wichtig. Die Niedrigzinsphase ist nicht nur für unsere Mitglieder und
Kunden, sondern auch für unsere Berater und für uns als Bank eine große Herausforderung.
Deshalb sei es aktuell umso wichtiger, dass Finanzanlagen heute breit gestreut erfolgen.
Die Volksbank Butzbach hat im vergangenen Jahr ihre Beratungsphilosophie neu
strukturiert. Mit der genossenschaftlichen Beratung wolle die Bank die Ziele und Wünsche
ihrer Kunden noch mehr in den Fokus einer ganzheitlichen Beratung stellen.
"Es kommt immer auf die Risikobereitschaft des Kunden an. Eine umfassende
Vermögensanalyse und die genossenschaftliche Beratung sind deshalb
Grundvoraussetzung, um maßgeschneiderte Pakete nach den individuellen Bedürfnissen
des Kunden zu schnüren", so der Bankvorstand zu diesem wichtigen Thema.
Die Volksbank Butzbach ist sich aber darüber hinaus der Verantwortung für die Region
bewusst. Zur Philosophie der Bank gehöre schon seit langem: "Wir verdienen hier in der
Region unser Geld, unsere Mitarbeiter sind aus der Region, arbeiten und leben hier,
engagieren sich auch ehrenamtlich in Vereinen und deshalb wollen wir auch einen Teil
unseres Verdienstes wieder der Region zur Verfügung stellen", so Köhler.
Auf der Grundlage dieser Philosophie hat sich die Volksbank dem Thema Kinderbetreuung
angenommen und nach Lösungen gesucht. Neben dem Engagement in der Mittelhessischen
Energiegenossenschaft sowie dem Handwerkernetzwerk zum Thema "Energie und Umwelt"
hat die Volksbank mit Unterstützung von Frau Seiler, als zuständiger Fachdienstleiterin bei
der Stadt Butzbach, und dem 1. Stadtrat Herrn Schütz, als Vertreter des Magistrats, ein
Konzept zur nachhaltigen Sicherung der Finanzierung der Kinderbetreuung in Butzbach
ausgearbeitet und die Genossenschaft 'Kinderbetreuung Butzbach eG' gegründet. Die
Genossenschaft wird neben den Elternbeiträgen durch jährliche Spenden ihrer Mitglieder
einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung der Kinderbetreuung sicherstellen. Zu den
Gründungsmitgliedern zählen neben der Stadt Butzbach und der Volksbank Butzbach die
Firma Kran-Burgard, die Firma SCL GmbH, Firma Paul Sonntag, das Bauunternehmen
Hildebrand, die Firma Hess Natur und das Gerhardt Bauzentrum.

Bei den turnusgemäß stattfindenden Wahlen zum Aufsichtsrat wurden nach Ablauf der
dreijährigen Amtszeit Meike Häuser, Michael Born und Martin Häuser wiedergewählt.
Im Rahmen dieser Vertreterversammlung der Volksbank Butzbach konnten auch wieder
Mitglieder für eine 50-jährige Mitgliedschaft von den Vorstandsmitgliedern Thomas Köhler
und Ralf Krause sowie dem Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Fuchs geehrt werden. „Eine
über 50-jährige Geschäftsverbindung zu einer Bank ist in der heutigen Zeit keine
Selbstverständlichkeit mehr“, so Krause. Neben einer Urkunde erhielten die langjährigen
Kunden eine Ehrennadel sowie ein kleines Präsent. Zu den Jubilaren gehörten: Dieter
Anspach (Butzbach), Arthur Becker (Griedel), Burkhard Brod (Fauerbach), Alfred Budeck
(Butzbach), Günter Dreut (Griedel), Stefan Francke (Butzbach), Helmut Hofmann (Griedel),
Ernst Pfeiffer (Ebersgöns), Horst Philippi (Wölfersheim), Marie Rogalla (Butzbach), Heinrich
Sauer (Butzbach) und Sigrid Willemann, Freiburg.

Zum Abschluss gab das Vorstandsmitglied Köhler noch einen kleinen Ausblick auf die
zukünftige Entwicklung. Das geschäftliche Umfeld wird auch in den kommenden Jahren von
einem verstärkten Wettbewerb sich weiter entwickelnden Kundenansprüchen, einem weiter
steigenden Margendruck und höheren Anforderungen an Produkt- und Beratungsqualität
geprägt sein.
Für dieses Jahr erwarte die Bank weiterhin ein verhaltenes Wachstum, jedoch noch etwas
weiter zurückgehende Zinserträge aufgrund der allgemeinen Zinssituation. Steigende
Zinssätze werde es in naher Zukunft nicht geben. Auch wenn die heimische Volksbank in
den nächsten zwei bis drei Jahren noch mit rückläufigen Ergebnissen rechnen müsse, sei
die Volksbank Butzbach immer noch stark genug, um den kommenden Herausforderungen
zu begegnen.

Die Volksbank Butzbach in Zahlen
Die Bilanzsumme der Volksbank Butzbach konnte im vergangenen Jahr um 6,6 Mio. auf
nunmehr knapp 325 Mio. Euro gesteigert werden. Die Kernkapitalquote liegt bei 14,6 % und
somit bereits über den Vorgaben, die von der Bankenaufsicht ab 2019 gelten. Die
Kundenkredite stiegen um 2,4 Mio. auf 171 Mio. Euro. Es konnten 1.367 Kreditzusagen in
Höhe von insgesamt 26,3 Mio. Euro vorgenommen werden. Insbesondere gewerbliche
Finanzierungen dominierten das Kreditgeschäft.
Die Kundeneinlagen erhöhten sich um 3,3 Mio. auf 260 Mio. Euro. Diese Bilanzposition ist
mit 80% der Bilanzsumme die Hauptrefinanzierungsquelle für das Kreditgeschäft. Der
Schwerpunkt der Kundeneinlagen liegt mit 51,2 % auf täglich fälligen Einlagen.
In Anbetracht der bereits erwähnten niedrigen Zinsen verschenken viele Kunden hierbei
Ertragschancen durch eine nicht vorhandene Streuung ihres Geldvermögens. Das gesamte
betreute Kundenvolumen, also inklusive Finanzierungen und Geldanlagen bei den
Verbundunternehmen, stieg um 11,5 Mio. auf nunmehr 582 Mio. Euro. Hierauf entfallen rund
122 Mio. auf Einlagen und Wertpapiervermögen bei Verbundunternehmen und ca. 30 Mio.
Euro auf Finanzierungen.
Zum 31.12.2014 hatte die Volksbank Butzbach 17.948 Kunden, davon waren 8.227 auch
Mitglied bei der Bank. Nach Zustimmung der Vertreterversammlung zur Gewinnverwendung
werden in diesem Jahr Bonuszahlungen und Dividende in Höhe von insgesamt 245 Tsd.
Euro ausgezahlt. Mehr als die Hälfte der Mitglieder erhält somit eine Rendite auf die
Geschäftsguthaben von über 7 %.
Auch die Leistungsbilanz mit einem Volumen in Höhe von 5,4 Mio. Euro war Thema des
Berichtes. Selbstverständlich wird die Volksbank weiterhin Spenden an heimische Vereine
und Institutionen übergeben und durch die Vergabe von Aufträgen die heimische Wirtschaft
stärken und die Region fördern. 33.200 Euro wurden an soziale, sportliche und kulturelle
Einrichtungen gespendet. Insgesamt 598 Tsd. Euro sind für 2014 an Ertragssteuern gezahlt
worden, die auch in Form von Gewerbesteuern den Kommunen im Geschäftsgebiet
zukommen. Auch die Gehaltszahlungen für die 92 Beschäftigten stellen eine entsprechende
Kaufkraft der Region zur Verfügung.
Zum Jahresende beschäftigte die ortsansässige Volksbank 92 Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter, darunter sechs Auszubildende und einen Jahrespraktikanten. Die Aus- und
Weiterbildung der Mitarbeiter nimmt einen hohen Stellenwert ein. So nehmen die Mitarbeiter
regelmäßig an hausinternen und externen Weiterbildungsmaßnahmen teil. Die zahlreichen
25- und 40-jährigen Betriebsjubiläen sind ein Beweis für langjährige Treue, Zufriedenheit und
Kontinuität in der Belegschaft.
Köhler dankte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für das Engagement, die
Einsatzbereitschaft, Kompetenz und Flexibilität, die wesentliche Faktoren für den Erfolg im
vergangenen Jahr seien.

Im Rahmen der Vertreterversammlung der Volksbank Butzbach konnten auch wieder Mitglieder für eine 50-jährige Mitgliedschaft von den Vorstandsmitgliedern Thomas Köhler (links) und Ralf Krause (2.v.l.) sowie dem Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Fuchs (rechts) geehrt werden. Neben einer Urkunde erhielten die langjährigen Kunden eine Ehrennadel sowie ein kleines Präsent. Zu den Jubilaren gehörten (v.l.n.r.): Arthur Becker (Griedel), Burkhard Brod (Fauerbach), Alfred Budeck (Butzbach), Ernst Pfeiffer (Ebersgöns) und Stefan Francke (Butzbach).